Kontrast-reich

Irgendwie nehmen die Regeln in der Lockerung des Shutdowns eher zu als ab. Das Leben ist viel komplizierter geworden und fühlt sich irgendwie gar nicht mehr wie meines an.

Einkaufen, Arztbesuche, Besprechungen auf der Arbeit – alles ist mit Regeln versehen. Nun wird auch noch Kirche kompliziert, die mich bisher in Coronatagen via Internet und live-Schalte so einfach, wie es schien, am Sonntagmorgen im Schlafanzug auf der Couch erreichte.

Es soll nur eine bestimmt Anzahl an Menschen überhaupt zu einem Gottesdienst zugelassen werden, Händedesinfektion und Abstand inclusive. Außerdem sollen Gottesdienste nur noch eine gewisse Zeit dauern dürfen und die Daten der Besucher müssen erfasst werden, damit man sie noch einige Zeit zur Kontaktrückverfolgung verwenden kann.

Das alles hat wenig mit der Freiheit eines Gottesdienstbesuchs zu tun. Es passt einfach für mich nicht zum Frühsommer und auch nicht zu mir und wird dem, was Menschen suchen, nicht gerecht.

Als ich in dieser Woche morgens zur Arbeit ging, da war es mir, als wäre es Sonntag und ich auf dem Weg zur Kirche. Es war ein herrlicher Morgen und es war wie sonntags, wenn ich zur Kirche gehe, relativ ruhig in den Straßen. Alles blühte in den Vorgärten und mir kam das bekannte Lied von Paul Gerhardt in den Sinn:

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud,/

in dieser lieben Sommerszeit an deines Gottes Gaben;/

Schau an der schönen Gärten Zier/

und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“

Ja, ich bin Gott dankbar für die Natur und den Sommer und dafür, dass das Schlimmste erst mal vorbei ist. Wir wissen nicht, was kommen wird. Das weiß keiner von uns und doch singe ich mit Paul Gerhardt dieses bekannte Loblied. Gerhardt lebte in den Wirren des 30-jährigen Krieges. Hungersnöte, Seuchen und kriegerische Auseinandersetzungen waren an der Tagesordnung. Das bricht sich in so manchem Lied Bahn. „Befiehl du deine Wege“, ist wohl das Bekannteste. Darin vertraut er sich seinem Gott an und hofft auf seine Hilfe in all der Bedrängnis seines Lebens.

Ich kann mir vorstellen, dass dieser Kontrast von der Schwere des Lebens auf der einen Seite und der Leichtigkeit und Schönheit der Natur auf der anderen Seite genauso verwirrend für ihn war, wie wir das heute empfinden. Und doch freut er sich an den Blumen, den Bienen, den Vögeln und all dem, was das Herz leicht und unbeschwert macht. Dieser Kontrast beherrschte sein Leben genauso, wie  gerade auch unser aller Leben sehr durch Einschnitte und Regeln auf der einen Seite, aber auch durch eine wunderschöne Natur und herrliches Wetter auf der anderen Seite geprägt ist.

Ich finde es wichtig, beides zu leben und das zeigt uns Gerhardt mit seinen Liedern immer wieder aufs Neue. Erst durch Yin erleben wir ein Yang, durch die Wüste zum gelobten Land, durch den Hammer zum Tanz. In den Grenzen dieser beiden bewegt sich unser Leben und manchmal eben auch beides zusammen. Gottes Liebe begleitet uns alle Tage unseres Lebens.

Von Diakonin Judith Schneider

„Jibbet jet ze binge?“

Mit diesem Ruf warben in der Stadt Köln in den Hinterhöfen vor langer Zeit umherziehende Handwerker um Aufträge. Mit einem Hämmerchen schlugen sie dazu auf Blech: Bing, bing! Man nannte sie Zebingemänner, auch Zebingemännche, wenn sie etwas klein geraten waren. Ihr Angebot: Kessel ausbeulen, Geschirr kleben oder löten, Gerätschaften des Alltags reparieren. Ein schönes Bild für die Sorge um die Seele: Hast du was auf dem Herzen? Erzähl es mir! Wir richten es biegen, löten, kleben es wieder zurecht. Wir könnten einander Zebingemänner und-Frauen sein, wenn wir kleine, manchmal unscheinbare Dienste der Seelsorge anbieten. Schön, wenn es fast nichts kostet außer besonderer Aufmerksamkeit, gerade jetzt, in Viruszeiten.

Pfarrer i.R. Wolfgang Piechota


Weitere Texte von unseren Pfarrerinnen und Pfarrern als Kraftquelle finden Sie auf der Seite unserer Diakonie Gemeinde.

Diakonische Gemeinschaft Paulinum

Die Diakonische Gemeinschaft Paulinum trägt seit 40 Jahren neben dem Mutterhaus die Zielsetzung und die Arbeit in der Stiftung mit. Als Zusammenschluss von Diakoninnen, Diakonen und Mitarbeitenden der Stiftung kreuznacher diakonie, fördert und gestaltet die Diakonische Gemeinschaft das diakonische Amt und das gemeinsame Leben in der evangelischen Kirche mit. Die Diakonische Gemeinschaft Paulinum versucht, Glauben und Leben, Beten und Arbeiten miteinander zu verbinden, um inmitten von Kirche und Gesellschaft Zeugnis zu geben von Gottes Gegenwart.

Die Diakonische Gemeinschaft Paulinum wird durch den / die Älteste sowie den Rat geleitet. Die jährliche Zusammenkunft der Gemeinschaft im Konvent findet am ersten Adventswochenende statt.

Veranstaltungen

Achtung: Unsere Treffen finden derzeit bis auf Weiteres nicht statt.

Die Diakonische Gemeinschaft trifft sich an jedem ersten Montag im Monat um 19 Uhr (außer in den Ferien) zur Andacht und zum gemeinsamen Austausch im Geschwister Scholl Haus. An allen anderen Montagen außer In den Ferien finden die Andachten um 17 Uhr statt, gestaltet von den Schülerinnen und Schülern der Diakonenausbildung.


„Die Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft Paulinum wissen sich als von Gott geliebte und befreite Menschen. Diese Erfahrung wollen sie in Kirche, Diakonie und in der Welt durch ihr Handeln sichtbar und erlebbar werden lassen“
Diakonin Doris Borngässer

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Andrea Bäder-Mellmann
Referat Diakonik-Ethik-Seelsorge, Sekretariat

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